I give up ;-(
Doch der Reihe nach:
Das iPhone ist kein Navigationsgerät, sondern ein tragbarer Computer. Mit allerlei Tricks haben die Entwickler es dennoch geschafft, das iPhone in ein brauchbares Navigationsgerät zu verwandeln. Und technikaffinen, verspielten Menschen mag es sogar Spaß machen, viel Geld für allerlei Zubehör (Stichwort: TomTom Car Kit) auszugeben, anstatt sich gleich ein vollwertiges Einzweckgerät zu kaufen.
Auch Fußgängernavigation ist brauchbar und macht sogar Spaß, wenn man erst einmal das etwas von der Autonavigation abweichende Bedienungskonzept kapiert hat. Aber nur, wenn man Sicht auf den Bildschirm hat.
Navigon hat mit dem jüngsten Update auf die aktuelle Version 1.60 dem Rechnug getragen, und einen alternativen "Fußgängermodus mit Sprachausgabe" eingeführt. Leider ist die Navi in diesem Modus vollkommen unbrauchbar. Warum? Der Grund dürfte hauptsächlich im bekanntermaßen schlechten GPS-Empfang des iPhones liegen. Das wiederum führt dazu, dass es beim Verlassen der Route - versehentlich oder durch ein Hindernis erzwungen - mehrere hundert Meter bis zur Neuberechnung dauert. Und im ungünstigsten Fall dann die neue Route auch noch falsch errechnet wird. Weil eben die neue Position schlimmstenfalls mit einer Abweichung von bis zu hundert Metern bestimmt wird.
Und warum betreffen die Probleme mit dem schlechten GPS-Empfang nur den Modus "Fußgänger mit Sprachausgabe"? Nun: Auch der Auto-Modus hat damit zu kämpfen. Aber wenn ich auf der Autobahn urplötzlich aufgefordert werde, links abzubiegen (weil die Navi glaubt, auf einer Bundesstraße parallel zur Autobahn zu fahren), dann lässt sich diese Aufforderung mit etwas gesundem Menschenverstand einfach ignorieren. Oder man kauft sich für 100 € das oben erwähnte TomTom Car Kit mit externem GPS Empfänger, das alle Empfangsprobleme behebt. Und der Standard-Fußgängermodus? In diesem Modus wird die Anzeige permanent aktualisiert und z. B. um einen Richtungspfeil zum Ziel ergänzt. Die App bedient sich hierfür wohl des im iPhone eingebauten Bewegungssensores und des eingebauten Kompasses. Nur lässt sich eben die Fülle der visuellen Informationen (Richtung, Entfernung) nicht an eine Sprachausgabe übergeben.
Fazit: Für blinde oder stark sehbehinderte Menschen ist das iPhone derzeit als Navigationsgerät ungeeignet.
Als Lösung könnte ich mir allenfalls einen externen GPS-Empfänger vorstellen; am besten dann auch noch mit einem zusätzlichen Akku, damit die Navi nicht auf halbem Weg schlapp macht.
Getestet habe ich übrigens mit Navigon und Skrobbler.
Nachtrag 01.09.2010: Mit meinem Fazit bin ich wohl strenger als maccessibility.net. Dort wird unter Travel and GPS Navigon als accessible eingestuft.
Auflistung aller bisherigen Tests